06/05/2020

Liebe Fatima

Diese Coronazeit verändert uns, hat uns schon verändert; wie, das werden wir wohl erst noch feststellen. Angst ist eine starke Waffe, mit der man ganze Länder zum Erliegen bringt. In dieser Zeit ist es gut zu wissen, welchen Informationen man vertrauen kann oder wem man vertrauen kann. Wer ist Deine Vertraute? Wir sind zu weit voneinander entfernt, als dass wir uns wirklich nah sein können. Aber wir versuchen es – nicht wahr?

Ich habe Mühe mit Veränderung. Du bist es gewöhnt, liebe Freundin, nicht wahr? Ich kann von Dir lernen. Menschen sind unterschiedlich. Manche neugierig und unruhig, immer dabei, das Neue mit offenen Armen zu empfangen. Manche Menschen, wie ich, brauchen lange, um Abschied zu nehmen; alle Erinnerungen noch einmal zu erinnern, alle Gefühle noch einmal zu fühlen, das braucht Zeit und Kraft. Aber das ist so! Es ist nicht hoffnungslos, aber tief, tiefer als bei anderen. Ich will die Erinnerungen bewahren, noch einmal im Schlaf den schönen Dingen begegnen. Kennst Du das? Weisst Du noch, wie es in Deinem Land riecht? Wie die frischen Gewürze duften, die es hier nur in Dosen gibt! Lass uns das Leben einatmen, tief und auch schmerzhaft, aber voller Hoffnung, dass Neues uns wieder lachen lässt.

Ich umarme Dich!

In Liebe

06/05/2020

Liebe Fatima!

Die Vögel singen, und die Sonne wärmt mich. Immer und immer wieder … Kannst Du die Vögel hören am Morgen, bevor die ersten Sonnenstrahlen dich wecken? Oder hörst Du die Vögel am Abend, wenn alles zur Ruhe kommt?

Es war schon immer so; vor uns und nach uns wird es auch so sein. Es war, als unsere Söhne geboren wurden und es wird auch so sein, wenn wir schon lange nicht mehr da sind. Unsere Söhne, Fatima, sie werden gross, sie werden Männer. Erinnerst Du Dich an ihre weiche Haut, als sie klein waren? Ich erinnere mich! Jetzt sind sie kantig geworden, stark und kraftvoll. Jetzt kann ich sie oftmals nicht mehr verstehen. Ich wundere mich, was die Erfahrungen und Herausforderungen mit ihnen machen. Ich muss loslassen. Es fällt mir schwer. Ich muss auch deinen Sohn loslassen. Es fällt mir schwer. Aber es ist so wie das Singen der Vögel am Morgen und am Abend – es war nie leicht und es wird auch nie leicht sein. Lassen wir sie fliegen!

In Liebe verbunden

06/05/2020

Liebe Fatima!

Ich habe Dir schon lange nicht mehr geschrieben. Die Tage, Wochen und inzwischen Monate vergehen wie im Flug, in einer Zeit, wo alles stillsteht. Wer hätte das gedacht? Wer hätte jemals gedacht, dass ein Virus innerhalb kürzester Zeit das Leben auf der ganzen Welt fast zum Stillstand bringt?

Wie geht es Dir und Deinen Liebsten? Seid ihr in Sicherheit? Seid ihr geschützt und geborgen? Ich hoffe es! Geborgen sein ist eigentlich keine räumliche Angelegenheit, zumindest für mich nicht – nicht nur! Geborgen sein ist kein Gefühl, es ist eine Gewissheit!

«Geborgen unter dem Schatten seiner Flügel» – dort findest Du mich!

Sei umarmt! Ich vermisse Dich!

26/03/2020

Liebe Fatima!

Erinnerst Du Dich an den ersten Atemzug Deiner Söhne? Als sie aus der Geborgenheit unseres Leibes in diese Welt geboren wurden? Der erste Atemzug, der erste Schrei – ich bin da! Ich bin in dieser Welt angekommen! Der erste Atemzug! Viele Menschen sehnen sich nach Atem, nach einem frischen Luftzug, der ihre Lungen heilt. Der Lebensatem, der uns lebendig macht. Einatmen – ausatmen, die Flügel ausbreiten, gesund werden. Einatmen – ausatmen – Lebensrhythmus – Herzschlag – Flügelschlag. Bleiben wir, oder gehen wir? Wohin treibt uns der nächste Flügelschlag, der nächste Atemzug? Ein erstes Mal einatmen – ein letztes Mal ausatmen. Erinnerst Du Dich, Fatima, an den ersten Atemzug unserer Söhne? Ja, liebe Freundin, ich erinnere mich!

Auf bald! Ich grüsse Dich in Liebe!